Wenn Sie schon einmal eine lange Zeichenkette aus Buchstaben und Zahlen kopiert haben, um Kryptowährungen zu empfangen, haben Sie bereits eine Blockchain-Adresse verwendet. Eine Blockchain-Adresse funktioniert ähnlich wie eine digitale Kontonummer; sie gibt dem Netzwerk an, wohin Gelder gesendet werden sollen oder welches Konto bzw. welcher Smart Contract an einer Transaktion beteiligt ist.
Auch wenn das Konzept einfach klingt, gibt es oft Verwirrung, da der Begriff „Adresstyp“ tatsächlich zwei verschiedene Bedeutungen haben kann:
- Technische Adressformate — also wie eine Adresse auf einer bestimmten Blockchain strukturiert oder kodiert ist
(zum Beispiel ältere Bitcoin Legacy-Adressen vs. neuere SegWit-Formate) - Nutzungsbasierte Adressrollen — wie eine Adresse in der Praxis verwendet wird
(z. B. eine Auszahlungsadresse, Rückerstattungsadresse oder eine von einer Börse bereitgestellte Einzahlungsadresse)
Mit anderen Worten: Nicht jeder „Adresstyp“ ist eine andere Art von kryptografischem Wallet. Oft liegt der Unterschied eher in der Verwendung der Adresse als in deren technischer Struktur.
Öffentliche Adresse
Eine öffentliche Adresse ist die allgemeine „Empfangsadresse“, die Sie anderen mitteilen, damit sie Ihnen Krypto senden können. Sie kann gefahrlos öffentlich geteilt werden (daher der Name), ist aber mit dem Wallet verknüpft, das sie kontrolliert.
- Zweck: Gelder empfangen oder das eigene Konto im Netzwerk identifizieren
- Format: abhängig von der Blockchain
- Ethereum: beginnt in der Regel mit 0x…
- Bitcoin: beginnt häufig mit 1…, 3… oder bc1…
Eine öffentliche Adresse ist nicht Ihr privater Schlüssel. Der Private Key (oder die Recovery Phrase) steuert das Ausgeben von Geldern.

Contract-Adresse
Eine Contract-Adresse gehört zu einem Smart Contract, also einem Programm, das auf einer Blockchain läuft (üblich auf Ethereum, Polygon, Arbitrum, BNB Chain usw.). Contract-Adressen können zwar Vermögenswerte halten, unterliegen aber bestimmten Regeln: Sie können Code ausführen, wenn jemand mit ihnen interagiert.
Einfach erklärt: Ein herkömmliches Wallet wird von einer Person (mittels privatem Schlüssel) kontrolliert, während eine Smart-Contract-Adresse von der im Code hinterlegten Logik gesteuert wird.
- Beispiele für Contract-Adressen: Token-Contracts (ERC-20), NFT-Contracts (ERC-721/1155), DeFi-Protokolle, Bridges, Multisig-Wallets
- Typischer Fehler: Gelder an einen Contract senden, der diese nicht verarbeiten kann (manche Assets können stecken bleiben, wenn der Smart Contract nicht für den Empfang geeignet ist).
Legacy-Adresse
„Legacy-Adresse“ bezieht sich meist auf ältere Bitcoin-Adressformate, vor allem das klassische Format, das mit 1… beginnt (oft P2PKH genannt).
Die Bitcoin-Adressformate wurden weiterentwickelt, um Effizienz und Funktionen zu verbessern. Häufig werden diese „Generationen“ unterschieden:
- Legacy (P2PKH): beginnt mit 1…
- P2SH: beginnt mit 3… (oft für ältere Multisig oder zur Kompatibilität verwendet)
- Native SegWit (Bech32): beginnt mit bc1… (oft geringere Fees, effizienter)
- Taproot (Bech32m): beginnt ebenfalls mit bc1…, nutzt aber einen neueren Skripttyp
Legacy ist nicht „schlecht“, aber viele Wallets bevorzugen neuere Formate, da sie Gebühren senken und flexibler sind.
Rückerstattungsadresse
Eine Rückerstattungsadresse ist eine funktionale Bezeichnung und wird verwendet, wenn ein Dienst nach einer fehlgeschlagenen oder rückgängig gemachten Transaktion Gelder zurückerstatten muss. Es handelt sich nicht um ein anderes technisches Format, sondern um ein angegebenes Ziel für Rückzahlungen.
Wo Rückerstattungsadressen genutzt werden
- Kryptowährungs-Zahlungsdienstleister
- Tausch- oder Konvertierungsdienste
- Börsen
- Merchant Payment Gateways
Beispielszenario
Ein Nutzer bezahlt einen Händler mit USDC auf Ethereum. Scheitert die Transaktion, wird die Rückzahlung in der Regel an folgende Adresse ausgeführt:
- eine Ethereum-kompatible USDC-Adresse
- auf demselben Netzwerk wie die Ursprungszahlung
Wird eine inkompatible Chain oder Token-Adresse angegeben, kann die Rückerstattung fehlschlagen.
Vanity-Adresse
Eine Vanity-Adresse wird gezielt generiert, um ein erkennbares Muster (z. B. einen Namen oder ein spezielles Präfix) zu enthalten.
Beispielmuster
- Ethereum Vanity-Stil
0x0000ABCD… - Bitcoin Vanity-Präfix
1MARKET…
Vanity-Adressen werden für Branding oder öffentliche Spendenwallets eingesetzt. Sie sollten jedoch ausschließlich mit sicheren Tools erzeugt werden, da unsichere Generatoren private Schlüssel kompromittieren können. Zudem fördern sie gegebenenfalls Wiederverwendung von Adressen, was die Privatsphäre mindern kann.
Auszahlungsadresse
Eine Auszahlungsadresse ist jene Zieladresse, auf die Vermögenswerte aus einem Verwahrungsdienst, wie z. B. einer Börse, in ein eigenes Wallet transferiert werden.
Beispielszenario
Ein Nutzer hebt ETH von einer Börse auf sein nicht verwahrtes Wallet ab:
- Börse-Auszahlungsadresse gesetzt auf:
0xF472dAB6… (Ethereum Wallet)
Wählt der Nutzer stattdessen das falsche Auszahlungsnetz (z. B. BNB Smart Chain), können Gelder auf einer nicht kompatiblen Adresse landen.
Viele Plattformen unterstützen:
- Adressbücher für Auszahlungen
- whitelistete Adressen
- Freigabekontrollen für Auszahlungen
Diese Funktionen dienen der Risikominimierung bei Transfers.
Best-Practice-Empfehlungen
Um Auszahlungsadressen sicher zu verwenden, sollten Nutzer:
- Das richtige Blockchain-Netzwerk vor der Auszahlung prüfen
- Adress-Whitelisting, wenn möglich, aktivieren
- Eine kleine Testtransaktion versenden, bevor größere Beträge bewegt werden
Einzahlungsadresse
Eine Einzahlungsadresse wird von einer Plattform zur Verfügung gestellt, um eingehende Überweisungen zu empfangen.
Beispiel
Eine Börse zeigt beispielsweise an:
- Einzahlungsadresse:
bc1qw4k8s… - Netzwerk: Bitcoin
- Optionaler Memo/Tag: nicht erforderlich
Bei Netzwerken wie XRP, Stellar oder Cosmos kann für Einzahlungen zudem ein Memo, Tag oder eine Referenz-ID erforderlich sein.
Change-Adresse (UTXO-Netzwerke)
Bei UTXO-basierten Chains wie Bitcoin erzeugen Transaktionen häufig ein Change-Output, das nicht ausgegebene Werte über eine Change-Adresse an den Absender zurückführt.
Beispiel
Ein Nutzer verwendet 0,2 BTC von einem 1 BTC UTXO:
- 0,2 BTC → an Empfänger gesendet
- 0,8 BTC → zurück an eine Change-Adresse, die vom Absender kontrolliert wird
Die Change-Adresse kann in der Transaktionshistorie ungewohnt erscheinen, bleibt jedoch normalerweise im Besitz des Wallets.
Multisignatur- (Multisig-) Adresse
Eine Multisig-Adresse verlangt eine Freigabe durch mehrere Parteien, bevor Gelder ausgegeben werden können.
Übliche Anwendungsfälle
- Organisationstreuhand
- DAO-Reserven
- Unternehmens-Kryptoverwahrung
Beispiel
- Ein 2-von-3-Multisig benötigt die Signatur von beliebigen zwei autorisierten Parteien, bevor eine Transaktion ausgeführt wird.
Auf Ethereum werden Multisig-Strukturen häufig über Contract-Wallets wie Gnosis Safe umgesetzt.
Verwahrte und nicht verwahrte Adressen
Hier unterscheidet sich die Kontrolle, nicht das Format:
- Eine verwahrte Adresse wird von einer Plattform oder einem Dienstleister kontrolliert.
- Eine nicht verwahrte Adresse wird direkt vom Nutzer kontrolliert.
Beispiel
- Börsen-Wallet-Adresse → verwahrt
- Hardware-Wallet-Adresse → nicht verwahrt
Diese Unterscheidung wirkt sich auf Auszahlungsrechte und den Kontozugriff aus.
Bridge- oder Escrow-Adresse
Eine Bridge-Adresse wird beim Transfer von Assets zwischen Blockchains genutzt, meist über einen Smart Contract oder ein Escrow-Mechanismus.
Beispielszenario
Ein Nutzer bridgt Token von Ethereum zu Polygon:
- Tokens werden auf Ethereum gesperrt oder verbrannt
- Eine Repräsentation wird auf Polygon gemintet
Nutzer sollten sich immer an die:
- offizielle Bridge-Dokumentation
- verifizierte Contract-Adressen
halten, da Bridges mit erhöhten Sicherheitsrisiken verbunden sind.
Burn-Adresse
Eine Burn-Adresse wird verwendet, um Token dauerhaft aus dem Umlauf zu nehmen.
Beispiel
- Ein Projekt sendet Token an eine Burn-Adresse wie:
0x0000000000000000000000000000000000000000
An Burn-Adressen gesendete Mittel gelten als unwiderruflich verloren.
Menschenlesbare Name-Service-Adressen
Einige Ökosysteme unterstützen menschenlesbare Naming-Systeme, die Namen mit Blockchain-Adressen verknüpfen.
Beispiel
- ENS-Name
example.eth → wird aufgelöst zu
0x91F84C3b…
Trotz höherem Komfort sollten Nutzer vor größeren Transfers immer die aufgelöste Adresse prüfen.
Watch-Only-Adresse
Eine Watch-Only-Adresse ermöglicht die Überwachung von Salden und Transaktionen ohne die Möglichkeit, Tokens auszugeben.
Typische Anwendung
- Auditing
- Monitoring von Treasury-Konten
- Überwachung von Cold Storage
Sowohl im institutionellen als auch Compliance-Umfeld weit verbreitet.
Privacy-optimierte oder Einmal-Adressen
Bestimmte Systeme generieren Einmal- oder Stealth-Adressen, um die Transaktionsprivatsphäre zu erhöhen. Auch auf Nicht-Privacy-Chains fördern viele Wallets regelmäßigen Adresswechsel zu ähnlichen Zwecken.
Um Fehler zu vermeiden, sollten Nutzer:
- die korrekte Blockchain und das Token-Format vor dem Versenden prüfen
- kontrollieren, ob die Zieladresse ein Wallet oder ein Smart Contract ist
- beachten, ob ein Memo/Tag für Einzahlungen benötigt wird
- Adresswiederverwendung möglichst vermeiden, falls Privatsphäre wichtig ist
- Adress-Whitelisting, sofern verfügbar, nutzen
- vor größeren Transfers zuerst kleine Testsendungen durchführen
Adress-Taxonomie
Blockchain-Adressen können verschiedene technische Formate, Kontostrukturen und operationelle Rollen über Netzwerke und Plattformen hinweg repräsentieren. Manche Adressarten resultieren aus der kryptographischen oder protokollspezifischen Gestaltung, beispielsweise Legacy-, SegWit-, Multisignatur- oder Taproot-taugliche Strukturen.
Andere beziehen sich auf die praktische Verwendung einer Adresse, wie z. B. Rückerstattungs-, Auszahlungs-, Einzahlungs- oder Bridge-Adressen. Ein klares Verständnis dieser Kategorien hilft beim sicheren Umgang mit digitalen Assets und minimiert Transfer- oder Kompatibilitätsfehler.
