Perpetual Futures, oft auch als „Perps“ bezeichnet, gehören zu den am häufigsten genutzten Handelsinstrumenten am Kryptomarkt. Im Gegensatz zu traditionellen Futures haben sie kein Verfallsdatum, sodass Trader Positionen unbegrenzt halten und durch Hebelwirkung ihre Marktexposition verstärken können.
Diese Kontrakte spiegeln den Spotmarkt mittels eines Funding Rate-Mechanismus wider, der dafür sorgt, dass die Preise nahe am zugrundeliegenden Basiswert bleiben. Mit täglichen Handelsvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar sind Perpetual Futures zu einem Grundpfeiler des Krypto-Handels geworden.
Was sind Perpetual Futures?
Perpetual Futures sind Derivatkontrakte, die es Tradern ermöglichen, auf den Preis eines Vermögenswerts wie Bitcoin oder Ethereum zu spekulieren, ohne diesen zu besitzen.
Im Gegensatz zu Standard-Futures, die monatlich oder vierteljährlich auslaufen, können Perpetual Futures gehalten werden, solange der Trader die erforderliche Margin aufrechterhält.

Wichtige Merkmale sind:
- Kein Verfallsdatum: Positionen bleiben unbegrenzt offen.
- Funding Rate: Eine regelmäßige Zahlung zwischen Tradern hält die Preise an den Kassapreis angepasst.
- Hebelwirkung: Ermöglicht Kontrolle großer Positionen mit geringerem Kapitaleinsatz.
- Marginsystem: Trader müssen Sicherheiten halten; ein Unterschreiten löst Liquidationen aus.
Durch diese Flexibilität sind Perps insbesondere bei aktiven Tradern und institutionellen Investoren beliebt, die rund um die Uhr Zugang zu digitalen Assets suchen.
Wie funktioniert die Funding Rate?
Die Funding Rate ist eine kleine regelmäßige Zahlung, die zwischen Long- und Short-Tradern ausgetauscht wird. Sie sorgt dafür, dass der Preis von Perpetual Futures nahe am Kassapreis bleibt.
Funktionsweise:
- Wenn Perps über dem Kassapreis (Contango) gehandelt werden, zahlen Long-Positionen die Funding Fee an die Shorts.
- Wenn Perps unter dem Kassapreis (Backwardation) gehandelt werden, zahlen die Shorts an die Long-Positionen.
- Die Funding Rates werden meist alle 8 Stunden angepasst, die Intervalle variieren jedoch je nach Börse.
Durch dieses System werden große Preisdifferenzen zwischen Spot- und Future-Markt verhindert. Trader beobachten Funding Rates, um die Marktstimmung einzuschätzen. Positive Raten deuten auf bullischen Druck, negative auf bärische Tendenzen hin.

Warum nutzen Trader Perpetual Futures?
Perpetual Futures bieten zahlreiche Vorteile, die sowohl für Privatanleger als auch professionelle Trader attraktiv sind.
1. Spekulation
- Trader können sowohl von steigenden als auch fallenden Märkten profitieren.
- Eine Long-Position antizipiert Preisanstiege; eine Short-Position profitiert von Kursrückgängen.
2. Absicherung (Hedging)
- Inhaber von Krypto-Assets können Perps shorten, um sich gegen Kursverluste zu schützen.
- Beispiel: Ein Bitcoin-Holder eröffnet eine Short-Position im BTC-Perp, um Verluste bei Kursrückgängen zu kompensieren.
3. Hebelwirkung
- Mit Hebeln von 2x bis 100x können Renditen verstärkt werden.
- Beispiel: Mit 10x Hebelwirkung kontrollieren 1.000 US-Dollar eine 10.000 US-Dollar Position.
- Hebelwirkung verstärkt jedoch sowohl Gewinne als auch Verluste und erfordert konsequentes Risikomanagement.
4. Arbitrage-Möglichkeiten
- Trader nutzen Preisunterschiede zwischen Spot- und Perpetual-Futures-Märkten.
- Gängige Strategie: Kauf von Spot-Bitcoin und gleichzeitiges Shorten des Perps bei Prämien, um die Preisdifferenz beim Angleichen zu vereinnahmen.
Viele Börsen erweitern zudem ihr Derivateangebot um weitere Perpetual Contracts, z.B. PrimeXBT hat Krypto-Futures um 101 neue Coins erweitert.
Perpetual Futures vs. traditionelle Futures
| Eigenschaft | Perpetual Futures | Traditionelle Futures |
| Verfallsdatum | Keines | Fest (monatlich/vierteljährlich) |
| Funding Rate | Ja | Nein |
| Hebelwirkung | Oft bis zu 100x | Typisch niedriger |
| Handelszeiten | 24/7 (Krypto) | Begrenzt (Börsenzeiten) |
| Abrechnung | Laufend über Funding | Zum Verfall |
Perpetual Futures ermöglichen permanenten Marktzugang und erlauben Krypto-Tradern, auf globale Kursbewegungen sofort zu reagieren – auch am Wochenende.
Risiken beim Handel mit Perpetual Futures
So leistungsfähig Perpetual Futures auch sind, bergen sie erhebliche Risiken – besonders für unerfahrene Trader.
Zentrale Risiken:
- Liquidationsrisiko:
Bewegt sich der Preis gegen eine gehebelte Position, kann die Sicherheit des Traders automatisch liquidiert werden.
Beispiel: Eine 5% Gegenbewegung bei einem 20x Hebel kann die gesamte Margin auslöschen. - Funding-Kosten:
Funding-Zahlungen summieren sich mit der Zeit und mindern insbesondere bei langfristigen Trades die Gewinne. - Hohe Volatilität:
Krypto-Märkte bewegen sich schnell – große Chancen gehen mit wachsenden Risiken einher. Plötzliche Schwankungen können selbst gut abgesicherte Positionen liquidieren. - Margin-Anforderungen:
Unterschreitung der Wartungsmargin führt zur Zwangsschließung von Positionen – meist mit Verlust.
Effektive Handelsstrategien für Perpetual Futures
Für erfolgreichen Perp-Handel sind strukturierte Strategien und konsequentes Risikomanagement unerlässlich.
Beliebte Strategien:
- Trendfolge:
Handel in Richtung des Marktmomentums unter Nutzung von gleitenden Durchschnitten oder Ausbruchsmustern. - Range-Trading:
Kauf nahe an Unterstützung und Verkauf nahe am Widerstand in seitwärts tendierenden Märkten. - Hedging:
Ausgleich des Risikos in der Spot-Position bei Volatilitätsspitzen oder Eventrisiken. - Arbitrage:
Ausnutzen von Funding-Rate-Differenzen oder Preisunterschieden zwischen Börsen.
Wer beispielsweise mit MetaTrader 5 handelt, kann dort seine Strategien auch auf Perps und CFDs umsetzen.
Profi-Tipp: Überwachen Sie stets die Funding Rate und das Open Interest, um Marktpositionierung und Stimmungswechsel zu beurteilen.
Best Practices und Risikomanagement
Erfolgreiches Trading mit Perpetual Futures basiert auf Disziplin, Wissen und einer klaren Planung.
Risikomanagement-Checkliste:
- Nutzung von Stop-Loss- und Take-Profit-Orders für jede Position.
- Begrenzung des Hebels, insbesondere in Phasen hoher Volatilität.
- Überwachen von Funding Rates und Handelsgebühren.
- Streuung des Risikos über verschiedene Instrumente, statt Konzentration auf wenige Positionen.
- Überprüfung der Margin-Anforderungen sowie Liquidationsregeln der jeweiligen Börse.
- Ausreichende Kapitalpuffer bereitstellen, um Marktschwankungen zu überstehen.
Ziehen Sie zudem Leitfäden zu Krypto-Investment-Strategien zurate, um Derivate in den Gesamtportfoliokontext einzuordnen.
Regulierung und Aufsicht
Die regulatorischen Anforderungen für Perpetual Futures unterscheiden sich international.
In den USA beaufsichtigt die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) den Derivatehandel. Der Großteil des Krypto-Perp-Handels findet jedoch auf Offshore-Börsen mit weniger Regulierung statt.
Trader sollten sicherstellen, dass sie lokale Gesetze einhalten und die Rechtslage sowie Schutzmechanismen – oder deren Fehlen – am genutzten Handelsplatz kennen.
Auch Aster hat 24/7 Stock-Perpetual-Contracts eingeführt, was die Ausweitung von Derivaten über den Kryptobereich hinaus zeigt.
Perpetual Futures meistern
Perpetual Futures sind zum Leitprodukt der modernen Kryptomärkte geworden und bieten Tradern ein Höchstmaß an Flexibilität und Liquidität. Die Kombination aus dauerhaftem Handel, Hebelwirkung und dynamischer Preisbildung macht sie für aktive Strategien ideal.
Doch diesen Vorteilen stehen erhebliche Risiken gegenüber: Hoher Hebel, volatile Märkte und Funding-Kosten können Gewinne rasch schmälern. Wer solides Risikomanagement betreibt, die Mechanismen versteht und diszipliniert agiert, kann Perps gezielt für Spekulation, Hedging und Diversifikation nutzen.
