Der Relative Strength Index, meist als RSI-Oszillator bezeichnet, ist einer der am weitesten verbreiteten Indikatoren der technischen Analyse. Trader verwenden ihn, um zu erkennen, ob ein Vermögenswert wie eine Aktie, Kryptowährung oder Rohstoff an Momentum gewinnt, an Stärke verliert oder einen Punkt erreicht, an dem der Kurs in eine Richtung bereits zu weit gelaufen ist.
Statt sich nur auf Kurslevels zu konzentrieren, betrachtet der RSI die Stärke des aktuellen Kauf- oder Verkaufsdrucks. Deshalb sehen viele Trader ihn als Momentum-„Gesundheitscheck“ für den Markt.

Wie der RSI-Oszillator funktioniert
Der RSI wird als Linie zwischen 0 und 100 dargestellt. Er vergleicht die Größe der jüngsten Kursgewinne mit den aktuellen Kursverlusten und wandelt diese Information in einen Momentum-Score um.
Vereinfacht ausgedrückt:
- Wenn Käufer stärker als Verkäufer sind → steigt der RSI
- Wenn Verkäufer stärker als Käufer sind → fällt der RSI
Die meisten Trading-Plattformen nutzen eine 14‑Perioden-Einstellung, das heißt, der Indikator berücksichtigt die letzten 14 Kerzen (egal auf welchem Zeitrahmen — 1H, 4H, täglich usw.).
Die drei wichtigsten RSI-Zonen
- Über 70 → signalisiert häufig überkaufte Bedingungen
- Unter 30 → signalisiert häufig überverkaufte Bedingungen
- Um 50 → zeigt neutrales oder balanciertes Momentum
Diese Levels sind keine „automatischen Kauf- oder Verkaufssignale“, sondern dienen als Kontext-Hinweise zur Marktstärke und möglichen Erschöpfung.

Warum Trader den RSI nutzen
Der RSI dient nicht nur dazu, Extremwerte zu erkennen, sondern hilft Tradern dabei:
- Zu beurteilen, ob das Kursmomentum stärker oder schwächer wird
- Mögliche Rücksetzer oder Erholungen zu identifizieren
- Trends zu bestätigen
- Frühe Umkehrsignale zu erkennen
Hier sind einige typische Anwendungsbeispiele für den RSI in der Praxis:
- Wenn der RSI 70+ erreicht, achten Trader auf nachlassendes Aufwärtsmomentum
- Wenn der RSI in Richtung 30‑ fällt, suchen Trader nach Hinweisen auf ein Nachlassen des Verkaufsdrucks
- Wenn der RSI längere Zeit über 50 bleibt, unterstützt dies häufig ein bullishes Marktumfeld
- Wenn der RSI unter 50 bleibt, ist die Marktstimmung meist bärisch
Besonders nützlich wird der RSI in Kombination mit Trendstrukturen, Unterstützungs-/Widerstandszonen und Volumen.
RSI-Divergenz
Eine Divergenz entsteht, wenn sich Kurs und RSI in entgegengesetzte Richtungen bewegen.
- Bullishe Divergenz
- Kurs bildet tiefere Tiefs
- RSI bildet höhere Tiefs
- Deutet auf nachlassenden Verkaufsdruck hin
- Bärische Divergenz
- Kurs bildet höhere Hochs
- RSI bildet tiefere Hochs
- Weist auf nachlassende bullishe Stärke hin
Divergenzen sind kraftvoll, wirken jedoch am besten, wenn sie mit Unterstützung- oder Widerstandszonen einhergehen.

RSI Swing Rejections
Swing Rejections konzentrieren sich auf das Verhalten des RSI, nachdem eine Extremzone verlassen wurde.
Bullishe Swing Rejection (Erholung aus Überverkauft):
- RSI fällt unter 30
- RSI steigt wieder über 30
- RSI bildet ein höheres Tief
- RSI durchbricht sein voriges RSI-Hoch
Dies kann auf ein zunehmendes Aufwärtsmomentum hindeuten.

Bärische Swing Rejection (Abkühlung nach Überkauft):
- RSI steigt über 70
- RSI fällt wieder unter 70
- RSI bildet ein tieferes Hoch
- RSI durchbricht sein vorheriges RSI-Tief
Diese Muster ähneln dem Zeichnen von Trendlinien – allerdings direkt am RSI.
Wie RSI im realen Trading genutzt wird
Hier sind einige praktische Anwendungen des RSI durch Trader:
- Zur Bestätigung der aktuellen Trendrichtung
- Zur Suche nach Momentumwechseln an wichtigen Kursniveaus
- Um überdehnte Kursbewegungen nicht nachzujagen
- Um Ausstiege zu timen statt erzwungener Einstiege
- Zur Bewertung, ob ein Rücksetzer gesund oder schwach ist
Beispiele:
- Ein bullisher Trader wartet evtl. darauf, dass der RSI von 40–50 abprallt, bevor er einen Aufwärtstrend erneut handelt
- Ein bearisher Trader achtet darauf, dass der RSI im Abwärtstrend an der Zone 50–60 abgewiesen wird
- Range-Trader bevorzugen häufig 70/30-Umkehrpunkte in seitwärts laufenden Märkten
Der Indikator gewinnt an Aussagekraft, wenn er zusammen mit folgenden Instrumenten genutzt wird:
- Unterstützung & Widerstand
- Gleitende Durchschnitte
- Marktstruktur
- Volumentrends

Stärken und Grenzen des RSI
Wie jeder Indikator hat der RSI Stärken und Schwächen.
Wo der RSI besonders gut funktioniert
- Seitwärts- oder Range-Märkte
- Kurzfristige Momentumanalyse
- Erkennung von Erschöpfung nach starken Bewegungen
- Zur Ergänzung anderer Indikatoren
Wo der RSI irreführen kann
- Stark trendende Märkte
- Hochvolatile Assets
- Parabolische Kursbewegungen
- Nachrichtengetriebene Ausschläge
RSI kann viel länger überkauft oder überverkauft bleiben als erwartet – besonders bei Krypto oder volatilen Aktien. Daher ist Kontext immer entscheidend.
Wie Trader den RSI anpassen
Manche Trader passen die RSI-Einstellungen an ihren Tradingstil an:
- 5–9 Perioden RSI → sensibler, genutzt für Scalping & Daytrading
- 14 Perioden RSI → Standard für Swingtrading
- 21–30 Perioden RSI → geglättete Kurve für langfristige Investoren
Andere modifizieren die Levels:
- Bei Aufwärtstrends kann 40–90 als Bereich verwendet werden
- Bei Abwärtstrends kann 10–60 Anwendung finden
Es gibt keine „perfekte“ Konfiguration – der optimale Ansatz hängt vom Zeitrahmen, Assettyp und der Strategie ab.
Was macht den RSI so nützlich?
Der RSI-Oszillator bleibt beliebt, weil er viele Informationen in nur einer Linie bündelt: Stärke, Momentum und potenzielle Erschöpfung. Anstatt die Zukunft zu prognostizieren, hilft der RSI Tradern, das gegenwärtige Marktverhalten zu interpretieren:
- Nimmt der Kauf- oder Verkaufsdruck zu?
- Ist der Trend stark oder schwächelt er?
- Ist der Preis überzogen oder befindet sich der Markt einfach in einem Trend?
Kombiniert mit solidem Risikomanagement und umfassender Chartanalyse kann der RSI ein wertvolles Entscheidungstool sein – kein Shortcut, sondern eine Orientierungshilfe, die Tradern hilft, den Markt präziser zu lesen.
