Ein Bounty-Programm ist eine strukturierte Kampagne, die meist im Zuge eines Token-Launches läuft und bei der ein Projekt kleine Mengen seines eigenen Coins gegen konkrete Marketing- oder Entwicklungsarbeit tauscht, statt sie in Geld zu bezahlen. Statt Mitarbeiter einzustellen, veröffentlicht das Team ein Regelwerk mit den zulässigen Aufgaben, wie viele Punkte oder Tokens jede Aufgabe bringt, und einer Frist, woraufhin eine verteilte Gruppe von Teilnehmern die Arbeit übernimmt.
Häufige Aufgabenkategorien sind:
- Signature-Kampagnen: das Banner und den Link des Projekts in eine Forensignatur einbinden (historisch vor allem auf Bitcointalk) und regelmäßig posten, um sichtbar zu bleiben.
- Social-Media-Bounties: Ankündigungen des Projekts auf X, Telegram oder Reddit folgen, retweeten oder teilen.
- Übersetzungsbounties: das Whitepaper, die Website oder den Ankündigungsthread in eine andere Sprache übertragen.
- Content- und Bug-Bounties: Artikel oder Videos erstellen oder Sicherheitslücken im Code des Projekts melden.
Bounty-Programme verbreiteten sich vor allem während des ICO-Booms, als Projekte große Token-Kontingente, aber wenig Bargeld hatten, wodurch Tokens als Ersatz für Löhne attraktiv wurden. Belohnungen werden in der Regel erst nach Abschluss des Sales ausgezahlt, sobald der Token tatsächlich gelauncht ist, weshalb Teilnehmer sowohl ein Zeit- als auch ein Preisrisiko tragen: Der Token kann weit unter den Erwartungen starten oder nie gehandelt werden.
Anders als bei einem Airdrop, bei dem Tokens allein für den Besitz einer Wallet oder eine simple Aktion verteilt werden, verlangt eine Bounty fortlaufenden Einsatz im Austausch für einen Anteil am Belohnungspool. Da Auszahlungen freiwillig und weitgehend unreguliert erfolgen, sollten Bounty-Hunter die Erfolgsbilanz eines Projekts prüfen und niemals Private Keys oder Seed Phrases weitergeben, um eine Belohnung zu "beanspruchen".