Das Schweigen eines Lurkers ist meist eine bewusste Entscheidung und nicht nur Schüchternheit. Online-Communitys, von klassischen Webforen bis zu kryptofokussierten Discord-Servern und Telegram-Gruppen, sind voller Mitglieder, die wochen- oder monatelang jede Diskussion mitlesen, ohne jemals selbst zu antworten. Dieses Verhalten gibt es schon lange vor Krypto: Das Verb "lurken" wurde bereits in den 1980er Jahren in Usenet-Newsgroups verwendet, um jemanden zu beschreiben, der die Beiträge einer Gruppe aufmerksam verfolgte, aber selbst still blieb.
Forscher beschreiben dieses Muster mit der sogenannten 90-9-1-Regel der Beteiligungsungleichheit: In einer typischen Online-Community liest etwa 90 Prozent der Mitglieder nur mit, 9 Prozent tragen gelegentlich etwas bei, und nur 1 Prozent erzeugt den Großteil der Aktivität. In Krypto-Communitys ist dieses Verhältnis oft noch schiefer, da sich Kursdiskussionen schnell entwickeln und viele Neulinge lieber erst den Jargon und die ungeschriebene Etikette aufnehmen, statt das Risiko einzugehen, als noob / n00b abgestempelt zu werden.
Lurken erfüllt mehrere praktische Zwecke:
- Den Ton, die Regeln und die Terminologie einer Gruppe kennenlernen, bevor man selbst mitmacht
- Fragen vermeiden, die anderswo im Chat bereits beantwortet wurden
- Still das market sentiment rund um einen Coin oder ein Projekt beobachten, ohne die eigene Trading-Position preiszugeben
Wenn ein Lurker schließlich doch postet, geht dem oft eine Variante des klassischen Satzes "longtime lurker, first-time poster" voraus, ein Übergang, der auch als "De-Lurking" bezeichnet wird. Auch Projektteams behalten Lurker-Verhältnisse im Blick: Eine Discord- oder Telegram-Gruppe mit zehntausenden Mitgliedern, aber kaum sichtbarer Aktivität, kann auf eine unengagierte Community hindeuten, oder schlicht auf eine Gruppe, die vor allem still mitliest, statt zu sprechen.