Wichtigste Punkte
- Ein Bull Market beschreibt anhaltende Kurssteigerungen, getrieben von Optimismus, während ein Bear Market anhaltende Rückgänge widerspiegelt, die von Angst getrieben werden.
- Die gängige 20-Prozent-Regel definiert beide Märkte: Ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber einem jüngsten Tief markiert den Beginn eines Bull Markets, ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber einem jüngsten Hoch den Beginn eines Bear Markets.
- Kryptozyklen sind in der Regel schärfer und kürzer als Aktienzyklen, weshalb Stimmungsindikatoren wie der Fear and Greed Index breit eingesetzt werden, um die Investorenstimmung einzuschätzen.
In diesem Artikel
„Bull“ und „Bear“ sind die zwei Begriffe, die Investoren am häufigsten verwenden, um die Stimmung an einem Markt zu beschreiben. Die Bezeichnungen „Bear“ und „Bull“ stehen für die allgemeine Richtung und die Stimmung rund um einen einzelnen Vermögenswert, einen ganzen Sektor oder den Gesamtmarkt.
Ein Markt, der weiter steigt, wird umgangssprachlich als Bull Market bezeichnet. In einem Bull Market herrscht Optimismus, und Investoren sind bereit zuzukaufen, in Erwartung weiterer Kursgewinne. In einem Bear Market ist es umgekehrt: Angst und die Erwartung weiterer Rückgänge treiben Investoren zum Verkaufen, oft lange bevor eine echte Rezession oder Krise tatsächlich eintritt.
Bulls vs Bears: Marktstimmung erklärt
Die Begriffe „Bull“ und „Bear“ beschreiben die Gesamt-Performance von Aktien-, Rohstoff- und Kryptomärkten. Sie erfassen sowohl die Kursbewegung als auch die Psychologie dahinter. Stimmung ist eine dominante Kraft im Portfolio, also ist es genauso wichtig zu verstehen, in welchem Regime man sich befindet, wie zu verstehen, welche Vermögenswerte man hält.
Ein Bull Market ist ein Markt, in dem die Kurse weiter steigen und die makroökonomischen Bedingungen insgesamt günstig sind. Ein Bear Market entsteht, wenn das Wachstum nachlässt oder schrumpft, die Risikobereitschaft sinkt und die meisten Vermögenswerte über einen längeren Zeitraum fallen.
Da die Stimmung in die Kurse zurückwirkt, sagen diese Begriffe auch etwas darüber aus, wie Marktteilnehmer positioniert sind. In einem Bear Market reduzieren oder verkaufen viele Investoren ihre Positionen, um Liquidität zu sichern und Risiko zu reduzieren. In einem Bull Market sind dieselben Investoren eher bereit, Risiko aufzubauen, Gewinner länger zu halten und auf Rücksetzern nachzukaufen.
Wie erkennt man einen Bull oder Bear Market
Die am weitesten verbreitete Faustregel ist die 20-Prozent-Regel. Ein Anstieg von 20 Prozent oder mehr gegenüber einem jüngsten Tief gilt im Allgemeinen als Beginn eines Bull Markets. Ein Rückgang von 20 Prozent oder mehr gegenüber einem jüngsten Hoch gilt als Beginn eines Bear Markets. Die Schwellenwerte sind willkürlich, geben Analysten aber einen gemeinsamen Referenzpunkt, um über Zyklen zu sprechen.
Über die 20-Prozent-Regel hinaus achten Marktteilnehmer auf eine Reihe struktureller Signale:
- Trend in höheren Zeitrahmen: eine Folge höherer Hochs und höherer Tiefs im Wochenchart deutet auf einen Bull Market hin; tiefere Hochs und tiefere Tiefs deuten auf einen Bear Market hin.
- Marktbreite: in einem echten Bull Market steigen die meisten Vermögenswerte eines Sektors gemeinsam. Wenn nur eine Handvoll Namen einen Index nach oben zieht, ist der Trend fragil.
- Volumen bei Anstiegen vs Rückgängen: höheres Volumen an steigenden Tagen deutet auf Akkumulation hin; höheres Volumen an fallenden Tagen auf Distribution.
- Makro-Umfeld: sinkende Zinsen, reichlich Liquidität und steigende Gewinne fallen typischerweise mit Bull Markets zusammen. Straffungszyklen und sich verschlechterndes Wachstum gehen meist mit Bear Markets einher.
Woher stammen diese Begriffe?
Die Begriffe sind intuitiv, sobald man sich die Tiere vorstellt. Ein Bulle greift an, indem er die Hörner nach oben stößt, was das Bild eines Marktes ergibt, der die Kurse nach oben treibt. Ein Bär schlägt mit den Pranken nach unten, was die Bewegung eines fallenden Marktes widerspiegelt. Beide Tiere sind kraftvoll und unberechenbar, was ein Teil des Grundes ist, warum die Bilder hängen geblieben sind.
Die am häufigsten zitierte historische Herkunft führt ins London des 18. Jahrhunderts. „Bearskin Jobbers“ verkauften Bärenfelle, die sie noch nicht besaßen, in der Hoffnung, sie vor der Lieferung zu einem niedrigeren Preis nachkaufen zu können, was im Grunde dem heutigen Short-Selling entspricht. Die Bezeichnung „Bear“ ging vom Händler auf den fallenden Markt über, von dem er profitierte. „Bull“ wurde das natürliche Gegenstück, gestützt durch die damalige Beliebtheit von Bull and Bear Baiting als öffentlichem Spektakel.
Manchmal werden die Begriffe auch auf die Namen zweier alter Londoner Banken zurückgeführt, der Bulteels und der Barings. Diese Geschichte ist jedoch Folk Etymology und wird nicht durch Primärquellen gestützt. Die Erklärung über die Bearskin Jobbers ist diejenige, auf die Historiker zurückgreifen.
Mehr Marktjargon findest du im Krypto-Wörterbuch mit vollständigen Definitionen verwandter Begriffe.
Was sind Perma-Bulls und Perma-Bears?
Ein Perma-Bear ist ein Investor oder Kommentator, der in jedem Marktregime bearish ist. Er erwartet unabhängig von den Bedingungen fallende Kurse und wird jede Rally üblicherweise als „Falle“ vor dem nächsten Abwärtsschub einordnen. Die Gefahr einer Perma-Bear-Haltung liegt darin, dass eine solche Prognose irgendwann tatsächlich eintrifft, allerdings erst nach Jahren verpasster Kursgewinne.
Ein Perma-Bull ist das Spiegelbild: jemand, der durch jeden Drawdown bullish bleibt und jeden Crash als Kaufgelegenheit betrachtet. Das Risiko besteht darin, durch ausgedehnte Bear Markets voll investiert zu bleiben und damit die Renditen aus dem vorherigen Zyklus wieder abzugeben.
Die meisten erfahrenen Investoren zielen auf die Mitte: bullish, wenn die Bedingungen es stützen, defensiv, wenn nicht, und vorbereitet darauf, dass ein Regime länger anhalten kann als erwartet.
Stimmungsindikatoren, die Trader beobachten
Stimmung lässt sich nur schwer direkt messen, deshalb stützen sich Trader auf eine Reihe von Indikatoren, die als Proxy dienen:
- Crypto Fear and Greed Index: ein Wert von 0 bis 100, der Volatilität, Momentum, soziale Signale und Bitcoin-Dominanz kombiniert. Extreme Angst markiert historisch lokale Tiefs; extreme Gier fällt häufig mit lokalen Hochs zusammen.
- Funding Rates auf Perpetual Futures: dauerhaft positive Funding Rates zeigen, dass Trader dafür zahlen, long zu bleiben, was auf eine bullische Positionierung hindeutet. Negative Funding Rates zeigen das Gegenteil.
- Open Interest: steigendes Open Interest zusammen mit steigenden Kursen deutet auf frisches Kapital hin, das in den Markt fließt. Steigendes Open Interest in einen fallenden Markt hinein deutet oft auf aggressives Shorten hin.
- Stablecoin-Angebot: ein wachsendes umlaufendes Stablecoin-Angebot signalisiert „trockenes Pulver“, das auf den Einsatz wartet, was risk-on Bewegungen häufig vorausgeht.
- On-Chain-Halterverhalten: Akkumulation durch Langzeit-Halter in Schwächephasen ist ein klassisches Bull-Market-Setup; Distribution in Stärke ist ein klassisches Bear-Market-Setup.
Wie Krypto-Bull- und Bear-Zyklen verlaufen sind
Krypto-Zyklen waren in der Vergangenheit schärfer und kürzer als Aktienzyklen, mit Drawdowns vom Hoch zum Tief von 70 Prozent oder mehr im letzten Jahrzehnt. Drei Zyklen sind nützliche Referenzpunkte:
- 2017 bis 2018: ein retail-getriebener ICO-Boom trieb Bitcoin im Dezember 2017 auf rund 20.000 Dollar, gefolgt von einem Drawdown von 84 Prozent bis Ende 2018.
- 2020 bis 2022: eine durch Stimulus angetriebene Bull-Phase brachte Bitcoin Ende 2021 auf rund 69.000 Dollar, bevor ein Bear Market von 77 Prozent im Jahr 2022 den Kurs zurück unter 16.000 Dollar drückte.
- 2023 bis 2024: die Genehmigung des Spot-Bitcoin-ETF Anfang 2024 löste eine neue Bull-Phase aus, in der Bitcoin frische Allzeithochs über 100.000 Dollar markierte.
Das wiederkehrende Muster ist, dass Bull Markets am Hoch offensichtlich wirken und Bear Markets am Tief offensichtlich erscheinen. Je vertrauter man mit dem Verlauf früherer Zyklen wird, desto weniger überraschend fühlt sich das nächste Bull- oder Bear-Regime an, und desto leichter fällt es, Positionsgrößen an die eigene Überzeugung statt an die Stimmung des Augenblicks anzupassen.
Bleib vorne in Crypto