Do Your Own Research ist mehr als ein Hashtag unter einem euphorischen Tweet: Es beschreibt die praktische Disziplin, die Behauptungen eines Projekts selbst zu überprüfen, bevor man Geld investiert, statt sich blind auf die Schlussfolgerung eines anderen zu verlassen.
Der Begriff wurde während des Initial Coin Offering (ICO) Booms von 2016 bis 2018 populär, als Hunderte neuer Token auf Basis von kaum mehr als einer glänzenden Website und großen Versprechen an den Start gingen. Viele dieser Projekte scheiterten oder entpuppten sich als reiner Betrug und ruinierten Anleger, die nur aufgrund von Hype oder der Aussage eines Influencers eingestiegen waren. DYOR entstand als Reaktion der Community: eine Erinnerung daran, dass die Verantwortung für eine Investitionsentscheidung letztlich bei der Person liegt, die sie trifft.
In der Praxis bedeutet eigene Recherche: das Whitepaper und die Dokumentation des Projekts lesen, prüfen, wer das Team ist und ob es eine glaubwürdige Erfolgsbilanz vorweisen kann, die Tokenomics auf Warnsignale wie extrem hohe Insider-Zuteilungen durchleuchten, kontrollieren, ob Smart Contracts auditiert wurden, und nachsehen, ob Liquidität gesperrt ist statt in der Kontrolle der Gründer zu bleiben. Genau diese Prüfungen helfen Anlegern, einen Rugpull oder ein Ponzi-artiges Schema zu erkennen, bevor es zu spät ist, denn ein anonymes Team und ungeprüfter Code in Kombination mit aggressivem Marketing sind klassische Warnzeichen.
DYOR wird zudem häufig, etwas zynisch, als abschließender Disclaimer von Promotern verwendet, die nach dem Anpreisen einer Coin die Haftung von sich weisen wollen. Das mindert das zugrunde liegende Prinzip jedoch nicht: In einem Markt mit wenigen Kontrollinstanzen ist unabhängige Verifizierung der beste Anlegerschutz, den Krypto zu bieten hat.