Ein Moving Average (gleitender Durchschnitt) bildet den durchschnittlichen Preis eines Assets über ein gleitendes Zeitfenster ab und aktualisiert sich mit jeder neuen Kerze, wodurch kurzfristiges Rauschen herausgefiltert und die zugrunde liegende Trendrichtung sichtbar wird. Da mit jeder neuen Periode ein Wert in die Berechnung aufgenommen und der älteste zugleich entfernt wird, bewegt sich die Linie glatt über den Chart, statt wie die rohen Kursdaten sprunghaft zu verlaufen.
Der Simple Moving Average (SMA) gewichtet jede Periode im Fenster gleich, was eine glattere, aber langsamer reagierende Linie ergibt, die sich gut für die Erkennung langfristiger Trends eignet. Der Exponential Moving Average (EMA) nutzt eine Gewichtungsformel, die jüngere Kerzen stärker berücksichtigt, wodurch er bei einem Momentumwechsel schneller reagiert. Deshalb bevorzugen kurzfristig orientierte Trader häufig den EMA.
Im Kryptomarkt sind die 50-Perioden- und 200-Perioden-Durchschnitte, meist auf Tages- oder Wochencharts dargestellt, die am meisten beachtete Kombination. Kreuzt der kürzere Durchschnitt den längeren von unten nach oben, entsteht ein Golden Cross, historisch mit dem Beginn eines Aufwärtstrends verbunden. Die umgekehrte Kreuzung, ein Death Cross, ging mehreren größeren Abwärtsbewegungen voraus, darunter bei Bitcoin 2018 und im Januar 2022. Da ein Moving Average ausschließlich aus vergangenen Preisen gebildet wird, gilt er als nachlaufender Indikator: Eine Kreuzung bestätigt, dass sich ein Trend bereits gedreht hat, statt ihn vorherzusagen, und in volatilen Seitwärtsmärkten können falsche "Whipsaw"-Signale entstehen, die Trader auf der falschen Seite des Marktes festsetzen.
Trader verlassen sich selten allein auf Moving Averages. Sie werden häufig mit Momentum-Indikatoren wie dem MACD oder Volatilitätsbändern wie dem Bollinger Band kombiniert und dienen zudem als dynamisches Unterstützungs- oder Widerstandsniveau, an dem der Preis innerhalb eines etablierten Trends häufig abprallt.