
Cryptonator
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Was ist Cryptonator?
Cryptonator war ein kustodiales, webbasiertes Multi-Currency-Kryptowährungs-Wallet und ein integrierter Tauschservice, der 2014 gestartet wurde. Der Dienst war über jeden Browser sowie über Android- und iOS-Apps erreichbar und ermöglichte es Nutzern, mehrere digitale Währungen innerhalb eines einzigen Kontos zu speichern, zu senden und zu empfangen sowie unmittelbar zwischen ihnen zu tauschen, ohne die Plattform zu verlassen. Zur Kontoeröffnung waren lediglich eine E-Mail-Adresse und ein Passwort erforderlich, ohne Identitätsverifizierung. Dies wurde als Datenschutzmerkmal vermarktet, von Staatsanwälten jedoch später als grundlegendes Compliance-Versagen bezeichnet.
Die Plattform unterstützte rund 16 Kryptowährungen, darunter Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), Litecoin (LTC), Bitcoin Cash (BCH), Dogecoin (DOGE), Dash, Monero (XMR), Zcash (ZEC), Ripple (XRP), Ethereum Classic (ETC) sowie einige kleinere Coins. Zudem akzeptierte die Plattform Einzahlungen und Auszahlungen in Fiatwährungen, darunter US-Dollar, Euro, russische Rubel und ukrainische Hrywnja. Eine Merchant-Payment-API ermöglichte es Online-Unternehmen, Kryptowährungen zu einer Bearbeitungsgebühr von 0,9% zu akzeptieren.
Cryptonator war ein vollständig kustodiales Angebot: Die Plattform verwaltete die privaten Schlüssel der Nutzer auf der eigenen Infrastruktur und gab an, etwa 90% der Gelder in Cold Storage zu halten. SSL-Verschlüsselung und optionale Two-Factor Authentication (per SMS oder E-Mail) wurden als Sicherheitsmaßnahmen angeboten. Die Oberfläche war auf Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Russisch verfügbar. Im Laufe seines Betriebs verarbeitete die Plattform mehr als 4 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar.
Am 1. August 2024 beschlagnahmten das US-Justizministerium und die IRS-Criminal Investigation gemeinsam mit dem deutschen Bundeskriminalamt (BKA) und der Frankfurter Staatsanwaltschaft die Domain cryptonator.com. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den russischen Staatsangehörigen Roman Pikulev, Gründer und Betreiber des Dienstes, wegen des Betriebs eines nicht lizenzierten Geldtransfergeschäfts sowie wegen Verschwörung zur Geldwäsche. Die Anklageschrift legte dar, dass mindestens 235 Millionen US-Dollar der abgewickelten Gelder aus illegalen Quellen stammten, darunter Darknet-Märkte, Ransomware-Operationen, Betrugsnetzwerke, sanktionierte Einrichtungen und Kryptowährungs-Mixer. Pikulev hatte Cryptonator nie beim US-amerikanischen Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) registriert, obwohl dies für in den USA tätige Gelddienstleistungsunternehmen gesetzlich vorgeschrieben ist.
Die Domain zeigt nun einen behördlichen Beschlagnahmungshinweis. Cryptonator ist nicht mehr in Betrieb.
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