Anonymous bezeichnet im Kontext von Kryptowährungen die Vorstellung, dass die Identität einer Person nicht mit ihren Transaktionen oder Wallet-Beständen verknüpft werden kann. In der Praxis erfüllen die meisten öffentlichen Blockchains dieses Ideal nicht: Sie sind pseudonym statt wirklich anonym, da jede Übertragung dauerhaft und offen unter einer Adresse statt unter einem Namen verzeichnet wird.
Bei Netzwerken wie Bitcoin ist eine Adresse lediglich eine Zeichenfolge, keine rechtliche Identität. Sobald diese Adresse jedoch mit einer realen Person verknüpft wird, etwa durch die KYC-Prüfungen einer Exchange, ein IP-Leck oder eine Zahlung für Waren, wird die gesamte dahinterliegende Transaktionshistorie nachvollziehbar. Spezialisierte Blockchain-Analyseunternehmen entwickeln gezielt Clustering-Software, um solche Verknüpfungen herzustellen, und Strafverfolgungsbehörden sowie Finanzämter verlassen sich zunehmend auf deren Berichte.
Diese Lücke zwischen scheinbarer und tatsächlicher Privatsphäre hat zur Entwicklung von Privacy Coins wie Monero und Zcash geführt, die Techniken wie Ring-Signaturen, Stealth-Adressen oder Zero-Knowledge-Proofs verwenden, die vom frühen Zerocoin-Protokoll abstammen, um Absender, Empfänger und Betrag standardmäßig zu verbergen. Diese zusätzliche Undurchsichtigkeit hat solche Coins zu einem Ziel der Regulierung gemacht: Dutzende Exchanges haben Monero 2024 und 2025 unter dem Druck von Geldwäschebekämpfungsvorschriften delistet, und der EU-Rahmen MiCA führt schrittweise Beschränkungen für custodial Privacy-Coin-Dienste ein, obwohl der bloße Besitz in den meisten Rechtsordnungen weiterhin legal ist.
Das Wort bezeichnet auch Anonymous, das lose organisierte internationale Hacktivisten-Kollektiv, das für seine Guy-Fawkes-Masken-Symbolik bekannt ist. Es hat keine formale Führung, sondern koordiniert sich stattdessen über gemeinsame Symbole und Slogans, und führt seit Mitte der 2000er-Jahre Kampagnen für Internetfreiheit sowie gegen Zensur und staatliche Übergriffe.