Custody beschreibt in der Kryptowelt, wer technisch die privaten Schlüssel kontrolliert, die zur Bewegung des Guthabens einer Wallet berechtigen, und wer damit die operative Verantwortung für die Sicherheit dieser Vermögenswerte trägt.
Verwaltet ein Dritter, etwa eine Exchange, eine Bank oder ein spezialisierter Custody-Anbieter, die Schlüssel, spricht man von custodial: Der Anbieter führt Transaktionen im Auftrag des Kunden aus und muss strenge Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, darunter Multi-Signature-Freigaben und tiefe Cold Storage für den Großteil der Kundengelder, wobei nur ein kleiner operativer Betrag in eine verbundene Hot Wallet für laufende Auszahlungen fließt. Self-Custody kehrt dieses Prinzip um: Der Nutzer erzeugt und verwahrt seine eigenen Schlüssel, meist in einer Hardware- oder Software-Wallet, sodass kein Intermediär die Gelder ohne die Signatur des Eigentümers einfrieren, beschlagnahmen oder verschieben kann.
Institutionelle Anleger setzen überwiegend auf regulierte Custodians statt auf Self-Custody. In den USA müssen registrierte Anlageberater Kryptobestände von Kunden bei einem qualified custodian verwahren, einer Rolle, die von lizenzierten Banken und Trust-Unternehmen wie Coinbase Custody, BitGo und Anchorage ausgefüllt wird, die Versicherung, geprüfte Kontrollen und getrennte Konten bieten. Regulierte Custody gewann besonders durch den Aufstieg von Spot-Bitcoin-ETFs an Bedeutung, deren Emittenten verpflichtet sind, einen qualified custodian für die Verwahrung der zugrunde liegenden Coins zu benennen. In der Europäischen Union legt MiCA lizenzierten Crypto-Asset-Service-Providern vergleichbare Pflichten auf: Kundenvermögen muss vom eigenen Vermögen des Unternehmens getrennt gehalten werden und darf niemals für eigene Zwecke des Custodians verwendet werden.
Der Kompromiss besteht zwischen Vertrauen und Komfort. Custodial-Dienste vereinfachen Wiederherstellung, Compliance und großskalige Abläufe, bringen aber erneut Gegenparteirisiko mit sich, wie Exchange-Kollapse zeigten, bei denen custodial verwahrte Guthaben unwiederbringlich verloren gingen. Self-Custody eliminiert dieses Risiko, überträgt aber die volle Verantwortung, und die Konsequenzen verlorener Schlüssel, auf den Nutzer.