Eine Sell Wall entsteht, wenn sich viele Limit-Sell-Orders auf einem einzigen Preisniveau im Order Book einer Exchange stapeln und als steiler vertikaler Block im Depth Chart sichtbar werden. Da die Exchange Orders nach Preispriorität ausführt, müssen Käufer den gesamten Stapel an Asks aufnehmen, bevor der Preis über dieses Niveau steigen kann, wodurch die Wall wie eine vorübergehende Obergrenze für weitere Kursgewinne wirkt.
Sell Walls können echt oder künstlich erzeugt sein. Eine echte stammt meist von einem großen Halter, der eine Position schrittweise abbaut, statt alles auf einmal zum Marktpreis zu verkaufen, oder von einem Trader, der ein Gewinnmitnahme-Ziel setzt. Eine gefälschte Wall existiert nur, um die Stimmung zu beeinflussen: Beim Anblick des schweren Widerstands darüber zögern kleinere Trader zu kaufen oder verkaufen aus Angst, sodass der Ersteller der Wall günstig zukaufen kann. Sobald dieses Ziel erreicht ist, werden die Orders zurückgezogen, bevor sie je ausgeführt werden, eine manipulative Taktik namens Spoofing, die auf regulierten Exchanges ausdrücklich illegal ist, auf unregulierten Plattformen aber schwerer zu kontrollieren.
Trader versuchen, die beiden zu unterscheiden, indem sie beobachten, wie sich eine Wall verhält, wenn sich der Preis ihr nähert. Eine Wall, die stetig kleiner wird, weil Trades gegen sie ausgeführt werden, ist wahrscheinlich echtes Angebot; eine Wall, die sofort verschwindet, ohne passendes Handelsvolumen, war wahrscheinlich nie dazu gedacht, gefüllt zu werden.
Da eine Sell Wall innerhalb von Sekunden verschwinden kann, sollte sie nie isoliert betrachtet werden. Sie dient als grober Anhaltspunkt für kurzfristigen Widerstand, am besten kombiniert mit Volumen, Trend und der breiteren Tiefe des Order Books, statt als verlässliches eigenständiges Signal.