Cross Margin beschreibt, wie Collateral über ein gesamtes Konto geteilt wird, anstatt an einen einzelnen Trade gebunden zu sein. Statt für jede Position einen festen Betrag zu reservieren, bündelt die Exchange das gesamte Margin-Guthaben und setzt es dort ein, wo es benötigt wird, sodass eine profitable Position eine verlustreiche Position innerhalb desselben Kontos effektiv stützen kann.
Die Mechanik ist entscheidend, weil der Liquidationspreis nicht fixiert ist. Er verschiebt sich fortlaufend, sobald sich das Wallet-Guthaben des Kontos, der unrealisierte Gewinn und Verlust sowie Funding-Zahlungen ändern. Auf den meisten Derivateplattformen wird die Liquidation anhand des Mark Price statt des zuletzt gehandelten Preises berechnet, gezielt um die Auswirkungen dünner Orderbücher oder kurzer Preisspitzen zu verringern. Ein Trader mit mehreren gleichzeitigen Positionen sieht, wie sich das Liquidationsniveau jeder Position verschiebt, wenn die anderen an Wert gewinnen oder verlieren, und selbst eine scheinbar unabhängige Aktion wie eine Auszahlung kann einen Liquidationspreis näher heranrücken.
Cross Margin ist bei Tradern beliebt, die abgesicherte Strategien oder mehrere Positionen gleichzeitig führen, etwa eine Long-Position in einem Asset wie Bitcoin neben einer Short-Position in einem anderen, da Gewinne auf der einen Seite Verluste auf der anderen ohne manuelles Rebalancing ausgleichen können. Zudem ist es kapitaleffizienter, als mehrere isolierte Positionen einzeln zu finanzieren.
Die Kehrseite ist Konzentrationsrisiko: Da das gesamte Konto jeden offenen Trade absichert, kann eine einzige ungünstige Kursbewegung in Kombination mit hohem Leverage das gesamte Guthaben auslöschen, statt nur das Kapital, das einem einzelnen schlechten Trade zugewiesen war. Deshalb erlauben viele Exchanges Tradern, pro Position zwischen Cross- und Isolated-Modus zu wechseln, und risikobewusste Trader reservieren Cross Margin häufig für abgesicherte Portfolios, während sie experimentelle oder stark gehebelte Trades isolieren.