Bei einem ICO verkauft ein Projekt neu geschaffene Token direkt an die Öffentlichkeit, meist gegen Bitcoin, Ether oder Stablecoins, um die Entwicklung zu finanzieren, noch bevor das zugrunde liegende Netzwerk oder Produkt überhaupt existiert. Käufer verlassen sich dabei in der Regel auf das Whitepaper eines Projekts statt auf geprüfte Finanzdaten, was das Modell sowohl schnell als auch riskant macht.
Das Format geht auf den Verkauf von Mastercoin im Jahr 2013 und den Token-Verkauf von Ethereum im Jahr 2014 zurück, der rund 18 Millionen Dollar einbrachte und den Ansatz populär machte. ICOs explodierten 2017 und Anfang 2018, als Projekte innerhalb weniger Monate gemeinsam Milliarden Dollar einsammelten, oft mit kaum mehr als einer Website und einer Roadmap. Dieser Boom endete abrupt, sobald Aufsichtsbehörden eingriffen: Die US-Securities and Exchange Commission stellte 2017 in ihrem DAO-Report fest, dass viele Token als nicht registrierte Wertpapiere einzustufen seien, und spätere Maßnahmen gegen Projekte wie Telegrams TON, Block.One (EOS) und Tezos führten zu hohen Strafen, Rückzahlungen oder abgesagten Launches.
Seitdem sind ICOs weitgehend strukturierteren Alternativen wie börsengeprüften IEOs und on-chain durchgeführten IDOs gewichen, auch wenn ICOs in weniger regulierten Märkten weiterhin vorkommen. Moderne Emittenten bauen zunehmend KYC/AML-Prüfungen ein und versuchen, Token als echte Utility Token statt als Anlageverträge zu strukturieren, teils um Regelwerken wie der europäischen MiCA-Verordnung zu genügen.
Die zentralen Risiken bleiben unverändert: keine Rückerstattungsgarantie, kein einsatzbereites Produkt zum Verkaufszeitpunkt und eine lange Geschichte von Exit-Scams und aufgegebenen Projekten.