Ein Pre-Sale ist die früheste Runde einer Token-Finanzierung, die stattfindet, bevor das Token an einer Börse gelistet wird und oft sogar bevor ein formelles Initial Coin Offering (ICO) für den breiteren Markt geöffnet wird. Der Zugang ist meist auf eine kleine Gruppe beschränkt, manchmal Venture-Investoren, manchmal eine Whitelist-Community, die sich vorab registriert und KYC durchlaufen hat, wobei die Zuteilung pro Wallet gedeckelt ist, um die Runde überschaubar zu halten.
Projekte führen einen Pre-Sale aus zwei praktischen Gründen durch: um frühzeitig Kapital für Entwicklung, Audits, Listinggebühren an Exchanges und Marketing vor der öffentlichen Runde zu sichern, und um das Marktinteresse am Token zu testen, bevor der vollständige Launch erfolgt. Da Teilnehmer ein überdurchschnittliches Risiko eingehen (das Projekt kann komplett scheitern, und anders als bei einem klassischen Börsengang gibt es keine Prospektpflicht oder garantierte Rückerstattung), werden Tokens deutlich unter dem späteren öffentlichen Preis angeboten, teils 30 bis 70 Prozent günstiger.
Die meisten Pre-Sale-Tokens werden nicht sofort ausgeliefert. Sie unterliegen einem Lockup- oder Vesting-Zeitplan und werden über Wochen oder Monate nach dem Launch schrittweise freigegeben, damit frühe Käufer nicht sofort ihre gesamte Zuteilung abstoßen können, sobald das Token an einer Exchange handelbar ist.
Aufsichtsbehörden prüfen Pre-Sales zunehmend kritisch: Je nach Rechtsraum und Vermarktungsweise der Tokens kann ein Pre-Sale als nicht registrierter Wertpapierverkauf eingestuft werden, und der Bereich bleibt ein beliebter Kanal für Exit-Scams. Käufer sollten die Identität des Teams, Smart-Contract-Audits und die Lockup-Bedingungen prüfen, bevor sie Geld investieren.