Pre-Mining bedeutet, dass die Macher einer Kryptowährung Coins oder Tokens im Netzwerk erzeugen, bevor es für öffentliches Mining, Staking oder Trading geöffnet wird, sodass die Supply bereits existiert und am ersten Tag in bestimmten Wallets liegt, statt schrittweise durch den regulären Ausgabeprozess des Protokolls zu entstehen.
Diese Praxis steht im Gegensatz zu einem "Fair Launch", bei dem niemand vorab Tokens besitzt und alle ab dem ersten Block unter denselben Regeln um Coins konkurrieren. Bitcoin ist das Referenzbeispiel für einen Fair Launch: Die gesamte Supply wurde stets durch Mining verdient, ohne dass im Voraus etwas für den Schöpfer reserviert wurde. Ethereum hingegen pre-mined rund 72 Millionen ETH, die an Teilnehmer der Initial Coin Offering von 2014 sowie an die Ethereum Foundation verteilt wurden, noch bevor das Mainnet live ging. Ripples XRP ging noch weiter: Alle 100 Milliarden XRP wurden bei der Einführung 2012 auf einmal erzeugt, wobei große Teile vom Unternehmen und den Gründern einbehalten wurden, statt durch Mining freigegeben zu werden.
Projekte begründen Pre-Mines meist damit, die laufende Entwicklung zu finanzieren, das Gründerteam zu entschädigen oder frühe Unterstützer vor einem öffentlichen Token Sale zu belohnen. Das Hauptrisiko ist Konzentration: Halten Insider einen großen, nicht offengelegten Anteil der Supply, können sie so verkaufen, dass sich der Markt gegen Privatanleger bewegt. Seriöse Projekte begegnen dem mit veröffentlichten Lockup- beziehungsweise Vesting-Plänen, On-Chain-Nachweisen der Allokationen und klarer Offenlegung in ihrer Tokenomics-Dokumentation, damit Anleger einschätzen können, wie viel der Circulating Supply tatsächlich in der Hand von Insidern liegt.