Eine Perpetual Future ist im Grunde eine synthetische Position: Sie ahmt das Halten des zugrunde liegenden Assets auf Margin nach, und zwar dauerhaft, ohne dass der Kontrakt jemals in eine neue Fälligkeit gerollt werden muss. Trader eröffnen eine Position mit nur einem Bruchteil des Nominalwerts als Sicherheit und nutzen anschließend Leverage, um die Exponierung in beide Richtungen, long oder short, zu verstärken.
Der Mechanismus, der das ermöglicht, ist die Funding Rate. Alle paar Stunden (meist alle acht Stunden, manche Börsen rechnen sogar stündlich ab) zahlen Longs und Shorts einander direkt einen kleinen Betrag; die Börse selbst behält davon nichts ein. Notiert der Perpetual-Kontrakt über dem Spot-Index, wird die Funding Rate positiv und Longs zahlen an Shorts, was weiteren Aufbau von Long-Positionen bremst. Notiert er unter dem Spotpreis, zahlen stattdessen Shorts an Longs. Dieses ständige Hin und Her hält den Kontraktpreis an den Spotpreis gekoppelt, obwohl kein Fälligkeitstermin eine Konvergenz erzwingt.
Erfunden wurde das Produkt von BitMEX, das im Mai 2016 seinen XBTUSD Perpetual Swap als Lösung für Privatanleger einführte, die von auslaufenden Futures verwirrt waren. Mittlerweile hat praktisch jede große Börse dieses Design übernommen, und Perpetuals machen heute den überwiegenden Teil des gesamten Handelsvolumens bei Krypto-Derivaten aus und übertreffen den Spothandel auf vielen Plattformen deutlich.
Da Positionen nie verfallen, können Trader Funding auch als eigenständige Ertragsquelle nutzen, etwa über Cash-and-Carry-Trades, bei denen ein Spotkauf mit einer Short-Perpetual-Position kombiniert wird. Die größten Risiken sind Liquidation durch Leverage und plötzliche Umkehrungen der Funding Rate in volatilen Märkten.