Bevor ein Smart Contract oder Protokoll live geht, beauftragt das Team meist einen Security Audit: eine strukturierte Prüfung, bei der externe Spezialisten den Code Zeile für Zeile lesen, automatisierte Scanner für bekannte Schwachstellenmuster einsetzen und Testfälle entwerfen, die das System brechen sollen, bevor es ein Angreifer tut. Der Prozess kombiniert in der Regel automatisierte statische Analyse mit einer manuellen Prüfung durch zwei oder mehr unabhängige Auditoren, da Tools allein zwar gut darin sind, bekannte Fehler zu erkennen, aber schlechter darin, Logikfehler zu finden, die spezifisch für das Design eines Protokolls sind.
Auditoren konzentrieren sich auf Fehlerkategorien, die in der Branche wiederholt zu Verlusten geführt haben: Reentrancy, fehlerhafte Zugriffskontrollen, Manipulation von Oracle-Preisen, mangelhafte Upgrade-Mechanismen sowie Fehler bei Ganzzahlen oder Rundungen. Befunde werden nach Schweregrad eingestuft, das Team liefert Fixes, und seriöse Firmen führen anschließend eine Remediation Review durch, um zu bestätigen, dass die Patches funktionieren und keine neuen Probleme verursachen. Der abschließende Bericht wird meist veröffentlicht, damit Nutzer die Sorgfalt eines Projekts selbst beurteilen können.
Ein Audit verringert das Risiko, beseitigt es aber nie vollständig. Probleme außerhalb des geprüften Codes, etwa ein kompromittierter Admin-Key, ein gephishtes Teammitglied oder ungeprüfte Off-Chain-Infrastruktur, werden dabei in der Regel nicht erfasst. Mehrere der größten DeFi-Exploits des Jahres 2026 trafen Protokolle, die bereits mehrere Audits durchlaufen hatten, weil Angreifer sich gegen Menschen und Infrastruktur statt gegen die Vertragslogik richteten. Ein Audit ist deshalb am besten als eine Ebene neben Formal Verification und einem laufenden Bounty Program zu verstehen, nicht als einmalige Sicherheitsgarantie.