Slashing funktioniert wie eine Versicherung auf Protokollebene für ein Proof-of-Stake-Netzwerk: Der gestakte Betrag eines Validators wird als Sicherheit behandelt, die teilweise oder vollständig eingezogen werden kann, sobald gegen die Konsensregeln verstoßen wird. Anstatt sich allein auf Vertrauen oder Reputation zu verlassen, erkennt die Software der Chain den Verstoß automatisch und verbrennt oder verteilt einen Teil des betroffenen Stakes neu, wodurch unehrliches Verhalten wirtschaftlich unrentabel wird.
In der Regel lösen zwei Verhaltensweisen Slashing aus. Double-Signing, auch Equivocation genannt, tritt auf, wenn ein Validator zwei widersprüchliche Blöcke signiert oder für denselben Slot abstimmt, ein Vorgang, der sonst zum Forken der Chain oder für Double-Spending genutzt werden könnte, weshalb er die härtesten Strafen nach sich zieht. Anhaltende Downtime wird milder behandelt, da sie meist auf ein technisches Problem statt auf einen Angriff hindeutet, und führt häufig nur zu einer kleineren Strafe oder einem vorübergehenden Ausschluss ("Jailing") aus der aktiven Validator-Menge statt zu einem vollständigen Slash.
Die Umsetzung unterscheidet sich stark je nach Netzwerk. Ethereum verbrennt sofort einen kleinen anfänglichen Betrag und wendet dann, etwa zwei Wochen in einem 36-tägigen Austrittsprozess, eine Korrelationsstrafe an, die größer wird, wenn im gleichen Zeitraum weitere Validatoren geslasht werden, sodass koordinierte Ausfälle deutlich teurer sind als isolierte Vorfälle. Cosmos-basierte Chains slashen bei Double-Signing meist pauschal 5 % und setzen den Validator dauerhaft auf die "Tombstone"-Liste. Da delegierter Stake am Risiko beteiligt ist, sollten Nutzer von Staking-Diensten vor der Delegation die Uptime-Historie und eine eventuelle Slashing-Versicherung des Betreibers prüfen, denn Verluste lassen sich kaum rückgängig machen.