Trader erkennen eine Bull Flag auf einem Candlestick-Chart an ihrer Form: ein steiler, fast senkrechter Kursanstieg, die "Flaggenstange" (flagpole), gefolgt von einem engen, leicht abwärts geneigten oder seitwärts verlaufenden Kanal, der einer kleinen Flagge an einer Stange ähnelt. Es handelt sich um ein Fortsetzungsmuster und kein Umkehrsignal, weshalb es typischerweise mitten in einem Aufwärtstrend auftritt und nicht an dessen Anfang.
Die Flaggenstange bildet sich bei starkem Kaufvolumen, während der Kurs schnell ansteigt. Während der eigentlichen Flagge nimmt das Volumen meist ab, da kurzfristige Halter Gewinne mitnehmen und der Markt pausiert, wobei der Kurs um nicht mehr als etwa 50% in die Flaggenstange zurückfällt. Ein Ausbruch über die obere Trendlinie der Flagge, idealerweise begleitet von erneutem Volumen, bestätigt, dass sich der ursprüngliche Aufwärtstrend fortsetzt. Das Kursziel ergibt sich häufig aus der Höhe der Flaggenstange, projiziert ab dem Ausbruchspunkt.
Trader nutzen das Muster, um Einstiege, Stop-Loss-Marken unterhalb der unteren Begrenzung der Flagge und Gewinnziele zu planen, auch wenn Bull Flags nicht unfehlbar sind. Ein tiefer Rücklauf in die Flagge oder ein Ausbruch nach unten statt oben macht das Setup ungültig. Die entgegengesetzte Formation, eine Bear Flag, verläuft in einem Abwärtstrend nach demselben Prinzip.
Bull Flags treten auf Zeitrahmen von Ein-Minuten-Charts bis zu Wochencharts auf, wobei Flaggen auf höheren Zeitrahmen als tendenziell zuverlässiger gelten. Der Anstieg von Bitcoin von rund 20.000 US-Dollar im Dezember 2020 auf neue Höchststände bis Februar 2021 ist ein häufig zitiertes Praxisbeispiel: eine scharfe Flaggenstange, eine kurze Konsolidierung und ein volumengestützter Ausbruch, der weiteren Kursgewinnen vorausging, was verdeutlicht, warum Trader dieses Muster in starken Krypto-Aufwärtstrends genau beobachten.