Eine Centralized Exchange (CEX) funktioniert in vielerlei Hinsicht wie ein klassisches Wertpapiermaklerhaus: Die Plattform betreibt eine eigene Matching-Engine, führt ein internes Orderbuch mit Kauf- und Verkaufsaufträgen und wickelt Trades über ihr eigenes privates Ledger ab, statt direkt auf einer Blockchain. Nutzer erstellen in der Regel ein Konto, durchlaufen die Know Your Customer (KYC)-Identitätsprüfung und zahlen ihre Gelder in Wallets ein, die vom Unternehmen kontrolliert werden. Da die Exchange selbst die Private Keys hält, ist der Handel schnell und die Gebühren sind meist niedrig, doch Nutzer tragen ein Gegenparteirisiko: Wird die Plattform gehackt, verwaltet sie Gelder falsch oder wird sie insolvent, können Einlagen verloren gehen.
Binance, Coinbase und Kraken zählen 2026 weiterhin zu den größten CEXs nach Handelsvolumen und Reserven, mit Tausenden von Märkten, darunter wichtige Paare wie Bitcoin, sowie Derivaten, Fiat-On-Ramps und Staking- oder Lending-Produkten oberhalb des Kerngeschäfts als Exchange. Um nach spektakulären Zusammenbrüchen wie dem von FTX 2022 wieder Vertrauen aufzubauen, veröffentlichen viele Exchanges inzwischen regelmäßige Proof-of-Reserves-Nachweise, kryptografische Momentaufnahmen, die zeigen, dass Kundengelder eins zu eins gedeckt sind, auch wenn diese Momentaufnahmen nur einen einzelnen Zeitpunkt abbilden und keine verborgenen Verbindlichkeiten offenlegen.
Regulierungsbehörden nehmen dieses Verwahrmodell zunehmend direkt ins Visier: Der EU-Rahmen MiCA, seit Mitte 2026 vollständig in Kraft, sowie Lizenzregime in anderen Regionen verpflichten lokal tätige CEXs zu Kapital-, Verwahrungs- und Meldestandards. Diese Aufsicht ist zusammen mit verpflichtender KYC- und Travel-Rule-Meldung der zentrale Kompromiss gegenüber einer Decentralized Exchange (DEX), bei der der Handel direkt aus selbstverwahrten Wallets erfolgt, ohne die Kontrolle über die Gelder je an einen Dritten abzugeben.