Know Your Customer (KYC) ist der Identitätsprüfungsprozess, mit dem zentralisierte Krypto-Plattformen die reale Identität eines Nutzers bestätigen, bevor voller Zugang zu Handel, Einzahlungen oder Auszahlungen gewährt wird. Meist ist ein amtlicher Ausweis wie Reisepass, Personalausweis oder Führerschein erforderlich, dazu ein Selfie oder ein Live-Gesichtsscan zum Abgleich mit diesem Dokument und manchmal ein Adressnachweis wie eine aktuelle Rechnung.
Die meisten Exchanges nutzen ein gestaffeltes System. Eine Basisstufe schaltet innerhalb weniger Minuten begrenzten Handel und niedrige Auszahlungslimits frei, dank automatischer Dokumentenerkennung und Liveness-Erkennung. Höhere Stufen, die für größere Überweisungen oder Fiat-Auszahlungen nötig sind, verlangen zusätzlich einen Herkunftsnachweis der Mittel sowie eine manuelle Prüfung, die einen Tag oder länger dauern kann. Dieselben Identitätsdaten fließen in Sanktions- und PEP-Screenings (politisch exponierte Personen) ein und unterstützen die FATF Travel Rule, die Exchanges verpflichtet, Absender- und Empfängerdaten auszutauschen, sobald eine Überweisung die Meldeschwelle einer Jurisdiktion überschreitet.
Regulierung macht es zunehmend schwerer, KYC zu umgehen. Der europäische MiCA-Rahmen (Markets in Crypto-Assets) verpflichtet jeden lizenzierten Krypto-Dienstleister zu vollständigen Identitätsprüfungen und laufender Sorgfaltspflicht, und vergleichbare Vorgaben bestehen unter dem US Bank Secrecy Act sowie den britischen Money Laundering Regulations. Exchanges, die diese Prüfungen umgangen oder abgeschwächt haben, mussten in den letzten Jahren Milliardenvergleiche zahlen oder verloren ihre Lizenz.
KYC betrifft vor allem zentralisierte Exchanges und custodiale Dienste; dezentrale Exchanges und Self-Custody-Wallets erfassen in der Regel gar keine Identitätsdokumente, eine Lücke, die Aufsichtsbehörden nun zu schließen versuchen.