FOMO beschreibt den ängstlichen Drang, in eine steigende Kryptowährung einzusteigen, weil scheinbar alle anderen gerade Gewinne machen, oft genau im falschen Moment: nahe einem lokalen oder zyklischen Preishoch.
Der Impuls wird durch den rund um die Uhr laufenden Kryptohandel und die Abhängigkeit von sozialen Plattformen wie X, Reddit und Telegram verstärkt, wo Screenshots von Übernacht-Gewinnen sich schneller verbreiten als jede eigene Recherche. Zu sehen, wie ein Coin sich innerhalb weniger Tage verdoppelt oder verdreifacht, kann die ursprüngliche Recherche und den Risikoplan eines Anlegers überlagern und dazu führen, dass jemand ohne Prüfung der Fundamentaldaten, des Teams oder des Anwendungsfalls in eine Position apet.
FOMO hat einige der schärfsten Preiszyklen in der Kryptowelt befeuert, von der Altcoin-Manie 2017 bis zu den Memecoin- und NFT-Wellen der Bullenmarkt-Phase 2021. Es ist zudem ein beliebtes Werkzeug für Betrüger: Der SQUID-Token, angelehnt an die Netflix-Serie Squid Game, stieg Ende 2021 innerhalb weniger Tage von einem Bruchteil eines Cents auf mehrere tausend Dollar, rein durch Social-Media-Hype, bevor die Macher sämtliche Liquidität abzogen und der Preis innerhalb von Minuten auf nahezu null einbrach. Nachzügler blieben auf wertlosen Token sitzen.
Trader, die FOMO bei sich selbst erkennen, versuchen, ihr mit vorab festgelegten Einstiegsregeln, Dollar-Cost-Averaging oder schlicht durch Abstand von sozialen Medien während volatiler Rallyes entgegenzuwirken. Das emotionale Gegenstück, Joy of Missing Out (JOMO), beschreibt die Erleichterung, die manche Anleger empfinden, wenn sie eine spekulative Rally bewusst ausgelassen haben, statt ihr hinterherzujagen.