Vaporware bezeichnet ein Produkt, das mit großem Tamtam öffentlich angekündigt wird, aber nie tatsächlich geliefert wird, nur in stark abgespeckter Form erscheint oder still und leise verschwindet, ohne offiziell abgesagt zu werden. Der Begriff ist Jahrzehnte älter als Krypto: Er wurde Anfang der 1980er Jahre bei Microsoft geprägt, um Software zu beschreiben, deren Entwicklung eingestellt wurde, obwohl sie versprochen worden war, und fand einige Jahre später Eingang in den breiteren Tech-Journalismus, um die Branchengewohnheit zu verspotten, Produkte lange vor ihrer Marktreife zu hypen.
Im Krypto-Bereich bekommt Vaporware eine schärfere Note, weil es oft direkt mit der Kapitalbeschaffung verknüpft ist. Ein Team veröffentlicht ein Whitepaper und eine ambitionierte Roadmap, die ein bahnbrechendes Protokoll beschreiben, verkauft auf dieser Grundlage Token oder führt ein ICO durch und liefert danach entweder nie ein funktionierendes Produkt oder etwas, das weit weniger leistet als versprochen. Anders als bei klassischer Software-Vaporware, bei der ein Unternehmen seinen Ruf riskiert, Anleger aber in der Regel nichts verlieren, haben Token-Inhaber bei Krypto-Vaporware meist bereits echtes Geld für ein Versprechen bezahlt.
- Warnzeichen sind unter anderem vage oder ständig verschobene Roadmaps, Monate nach dem Start kein funktionierendes Testnet oder keine Demo, sowie Marketing, das den Kurs und Partnerschaften betont statt technischer Fortschritte.
- Vaporware ist ein Spektrum: Manche Projekte sind schlicht zu ambitioniert und liefern zu wenig, andere sind von Anfang an bewusst täuschend angelegt.
Regelrecht betrügerische Vaporware, bei der Entwickler nie vorhatten, überhaupt etwas zu bauen, überschneidet sich stark mit dem umgangssprachlicheren Kryptobegriff Shitcoin, wobei Vaporware speziell die Kluft zwischen Versprechen und Lieferung betont, nicht die generelle Qualität oder Absicht des Tokens.