Ein Yellow Paper geht eine Ebene tiefer als ein Whitepaper: Während ein Whitepaper die Vision und Ziele eines Projekts in verständlicher Sprache für ein breites Publikum erklärt, legt ein Yellow Paper die exakten technischen Regeln eines Protokolls mit formaler mathematischer Notation, Algorithmen und Pseudocode fest, detailliert genug, dass ein Entwickler allein daraus einen vollständig kompatiblen Client bauen könnte.
Das bekannteste Beispiel ist das Ethereum Yellow Paper, geschrieben von Mitgründer Gavin Wood im Jahr 2014 mit dem Titel "Ethereum: A Secure Decentralised Generalised Transaction Ledger." Es definiert formal die Ethereum Virtual Machine, Gaskosten, die State-Transition-Funktion sowie die exakte Struktur von Blocks und Transaktionen. Es handelt sich nicht um eine einmalige Veröffentlichung, sondern bleibt ein Open-Source-Projekt, das von Mitwirkenden auf GitHub gepflegt und von Zeit zu Zeit aktualisiert wird, sobald sich das Protokoll durch Netzwerk-Upgrades weiterentwickelt.
Andere Blockchain-Projekte, allen voran Polkadot, haben ihre eigenen Yellow Paper veröffentlicht, um Entwicklern eine verbindliche technische Referenz neben den eher marketingorientierten Einführungen zu bieten. Da diese Dokumente auf dichte mathematische Sprache setzen, richten sie sich weniger an Investoren und mehr an:
- Core-Entwickler, die Client-Software implementieren oder prüfen
- Security-Researcher, die das Protokollverhalten verifizieren
- Akademiker, die Blockchain-Design erforschen
In der Praxis ergänzen sich Whitepaper und Yellow Paper eines Projekts: Das eine verkauft die Idee, das andere beweist genau, wie es unter der Haube funktioniert.