APR wird als einfacher, linearer Zinssatz angegeben: Er zeigt, was eine Einlage oder ein Kredit über ein Jahr einbringen oder kosten würde, wenn der Satz konstant bliebe und keine der Zinsen reinvestiert würde. Damit ist er die konservativere der beiden gängigen Crypto-Rendite-Kennzahlen, da er das zusätzliche Wachstum durch Zinsen auf bereits verdiente Zinsen außer Acht lässt.
Sowohl zentralisierte als auch dezentrale Plattformen nutzen APR, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Kredit- und Verleihmärkte geben in der Regel APR an, weil die Zinsen meist ausgezahlt statt automatisch reinvestiert werden und weil dies Kreditnehmern ein klares, unverzerrtes Bild ihrer tatsächlichen Kapitalkosten liefert. Beim Yield Farming und bei der Bereitstellung von Liquidität fassen Protokolle oft zwei Einnahmequellen in einer einzigen APR-Zahl zusammen: einen Anteil an den Handelsgebühren des Pools sowie separate Token-Ausschüttungen als zusätzlichen Anreiz. Beide werden meist über einen kurzen Rückblickzeitraum berechnet, etwa die letzten 24 Stunden oder 7 Tage, und anschließend hochgerechnet. Ein plötzlicher Anstieg des Handelsvolumens oder ein temporärer Belohnungsschub kann den ausgewiesenen Satz daher irreführend erscheinen lassen, wenn die Bedingungen nicht das ganze Jahr über anhalten.
Da APY Zinseszinseffekte berücksichtigt und APR nicht, ist APY bei gleichem Grundzins stets gleich hoch oder höher als APR, und der Abstand wächst, je häufiger Belohnungen verzinst werden. Eine beworbene APR sollte als Ausgangspunkt betrachtet werden, nicht als Garantie: Die tatsächliche Rendite hängt zusätzlich von Kursschwankungen der Belohnungstoken, einer Verwässerung des Pools durch zufließendes Kapital und, bei Liquiditätspools, von Impermanent Loss ab.