Der Begriff ist dem Konzept des "AI Winter" aus der Informatik entlehnt: eine Phase, in der die Begeisterung einfriert, Finanzierungen versiegen und nur die engagiertesten Entwickler weiterarbeiten. In der Kryptowelt beschreibt er einen Abschwung, der über eine gewöhnliche Preiskorrektur hinausgeht und Finanzierung, Personalstand und öffentliche Stimmung deutlich länger als nur ein paar Wochen oder Monate beeinträchtigt.
Anders als ein Bear Market, den Analysten mit einer festen Kennzahl definieren können (üblicherweise ein Rückgang von 20% gegenüber den letzten Höchstständen), hat ein Crypto Winter keinen einzelnen Auslöser für Beginn oder Ende. Er wird stattdessen an der Stimmung der Branche gemessen: Exchanges, die Personal abbauen, Start-ups, die schließen, Risikokapital, das sich zurückzieht, und Privatanleger, die dem Markt komplett den Rücken kehren.
Das schwerste Beispiel dauerte von Ende 2021 bis 2023, als Bitcoin von seinem damaligen Rekordhoch von rund 69.000 US-Dollar auf etwa 15.000 US-Dollar fiel und dabei zusammengenommen rund 2 Billionen US-Dollar an Marktwert vernichtet wurden. Der Zusammenbruch des Stablecoins TerraUSD und seines Schwestertokens LUNA im Mai 2022, gefolgt von der Insolvenz des Hedgefonds Three Arrows Capital und der Börse FTX im selben November, verwandelte einen gewöhnlichen Abschwung in eine Kettenreaktion von Zusammenbrüchen bei Kredit- und Handelsplattformen.
Frühere Winter folgten auf den Mt.-Gox-Hack von 2014 und das Platzen der ICO-Blase von 2017, im Jahr 2018. Jeder Zyklus wich schließlich wieder neuem Wachstum, weshalb langfristige Halter einen Crypto Winter oft eher als Stresstest denn als dauerhaften Zustand betrachten, auch wenn keine Garantie besteht, dass ein bestimmter Abschwung genauso endet.