Fully Diluted Valuation (FDV) beantwortet eine andere Frage als die alltägliche Marktkapitalisierung: nicht "was ist dieser Coin gerade wert", sondern "was wäre er wert, wenn bereits jeder Token gehandelt würde, der jemals existieren wird". Die FDV wird berechnet, indem der aktuelle Preis mit der maximalen Versorgung (oder der Gesamtversorgung bei Assets ohne feste Obergrenze) multipliziert wird, statt mit der kleineren zirkulierenden Versorgung, die für die gewöhnliche Marktkapitalisierung verwendet wird.
Bei einem etablierten Asset wie Bitcoin, dessen Obergrenze von 21 Millionen Coins bereits fast vollständig gemined ist, liegt die FDV nahe an der Marktkapitalisierung. Der Unterschied wird bei neueren Token relevant, bei denen ein großer Teil der Gesamtversorgung noch in Team-Zuteilungen, Vesting-Plänen für Investoren, Staking-Belohnungen oder Ökosystemfonds gebunden ist, die noch nicht an den Markt freigegeben wurden.
Trader beobachten das Verhältnis zwischen FDV und Marktkapitalisierung als groben Indikator für künftige Verwässerung. Ein Token, das nur zu einem kleinen Bruchteil seiner FDV gehandelt wird, signalisiert, dass ein großer Teil der künftigen Versorgung noch auf den Markt kommen könnte, was den Preis unter Druck setzen kann, sobald Vesting-Cliffs und Unlock-Termine eintreten. Dieses Muster, oft "low float, high FDV" genannt, war bei Token-Launches zwischen 2024 und 2026 ein vielbeachtetes Risiko: Projekte starteten mit nur einem kleinen zirkulierenden Anteil gegenüber einer aufsehenerregenden Bewertung, die von der vollständigen, weitaus größeren künftigen Versorgung ausging.
Die FDV ist ein nützliches Vergleichsinstrument, aber kein Kursziel: Sie unterstellt eine gleichbleibende Nachfrage bei wachsender Versorgung, was selten zutrifft, und kann bei Token mit ungewöhnlichen Mint- oder Burn-Mechanismen verzerrt sein.