Ein IPO ist weit mehr als schlichtes "an die Börse gehen". Er markiert in der Regel den Abschluss jahrelangen privaten Wachstums, finanziert durch venture capital oder Private Equity, und verlangt vom Unternehmen die Einreichung einer detaillierten Registrierungserklärung, in den USA meist ein Form S-1, mit geprüften Finanzzahlen, Risikofaktoren und Angaben zur Verwendung des Emissionserlöses. Investmentbanken fungieren als Underwriter: Sie legen den Ausgabepreis der Aktien fest und führen eine Roadshow durch, um die institutionelle Nachfrage einzuschätzen, bevor die Aktie an einer Börse wie der NYSE oder Nasdaq zu handeln beginnt.
Sobald die Aktien notiert sind, unterliegen Unternehmensinsider meist einer Lock-up-Frist von üblicherweise rund 180 Tagen, die einen sofortigen Verkauf und damit eine Überschwemmung des Marktes verhindert. Der IPO-Preis wird am Abend vor dem ersten Handelstag festgelegt, und der erste Kurs kann je nach Nachfrage deutlich über oder unter diesem Preis liegen. Solche Ausschläge haben frisch gelistete kryptonahe Unternehmen in ihren ersten Handelswochen wiederholt getroffen.
Auch Krypto hat eine eigene, parallele Leiter der Kapitalbeschaffung hervorgebracht. Bei einem Initial Coin Offering verkauft ein Projekt Token direkt an die Öffentlichkeit, gestützt auf ein Whitepaper statt einen Prospekt und mit kaum regulatorischer Aufsicht: ein Ansatz, der den spekulativen Boom von 2017 bis 2018 samt der damit verbundenen Betrugsfälle befeuerte. Initial Exchange Offerings wickeln den Verkauf über das Launchpad einer zentralen Exchange ab, das eine grundlegende Prüfung vornimmt, während Initial DEX Offerings dasselbe auf dezentralen Plattformen tun. Ein Security Token Offering kommt einem echten IPO am nächsten: Dabei werden Token ausgegeben, die rechtlich als Wertpapiere gelten, teils mit Rechten wie einer Umsatzbeteiligung, und die meist nur accredited investors nach dem Wertpapierrecht offenstehen.
Zunehmend verzichten Kryptounternehmen ganz auf Token-Verkäufe und gehen stattdessen den klassischen IPO-Weg. Coinbase notierte 2021 an der Nasdaq, der Stablecoin-Emittent Circle debütierte Mitte 2025 an der NYSE, und Exchanges wie Bullish und Gemini gingen im selben Jahr an die Börse, während Kraken sich auf eine Notierung vorbereitet. Für diese Unternehmen bringt ein vollwertiger IPO mehr Liquidität, Indexfähigkeit und regulatorische Glaubwürdigkeit, die ein Token-Verkauf nicht erreichen kann, allerdings um den Preis der umfangreichen Offenlegungs- und Compliance-Pflichten, die jedes börsennotierte Unternehmen danach trägt.