In der Praxis wird Liquidität gemessen, indem man tiefer schaut als nur auf den Preis. Trader achten auf den Bid-Ask-Spread, also die Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot, sowie auf das Volumen der Orders, die nahe am aktuellen Preis liegen. Ein enger Spread mit vielen wartenden Orders deutet auf einen liquiden Markt hin; ein breiter Spread mit wenigen Orders deutet auf das Gegenteil hin, selbst wenn der Coin auf einer bekannten Exchange gehandelt wird.
Bei zentralisierten Exchanges stammt diese Tiefe aus einem Order Book, in dem Käufer und Verkäufer Limit-Orders platzieren, die oft von professionellen Market Makern eng gehalten werden. Dezentrale Exchanges verfolgen einen anderen Ansatz: Statt einzelne Orders zu matchen, setzt eine DEX meist auf einen Automated Market Maker, bei dem Nutzer, sogenannte Liquidity Provider, Tokenpaare in einen gemeinsamen Pool einzahlen und eine Formel den Wechselkurs anhand des Verhältnisses im Pool festlegt. In beiden Modellen gilt: Mehr Liquidität bedeutet, dass große Trades näher am notierten Preis ausgeführt werden.
Liquidität ist wichtig, weil sie sich direkt auf Handelskosten und Risiko auswirkt. In einem dünnen Markt kann eine einzelne große Order den Preis stark bewegen, ein Problem, das als Slippage bekannt ist, und es kann schwierig werden, eine Position zu verlassen, ohne einen schlechteren Preis zu akzeptieren. Liquidität sollte nicht mit Handelsvolumen verwechselt werden: Das Volumen zählt, wie viel innerhalb eines Zeitraums den Besitzer gewechselt hat, während Liquidität widerspiegelt, wie viel gerade jetzt zum Handel verfügbar ist. Ein Coin kann durch eine kurze Aktivitätsspitze einen Volumensprung zeigen und danach trotzdem dünn gehandelt bleiben, weshalb beide Kennzahlen am besten gemeinsam betrachtet werden, zusammen mit der Marktkapitalisierung, um zu beurteilen, wie leicht sich ein Asset kaufen oder verkaufen lässt.