Ökonomen bewerten einen Wertspeicher anhand einer festen Checkliste: Er sollte knapp, haltbar, teilbar, transportierbar, fungibel und schwer zu fälschen oder zu konfiszieren sein. Gold besteht diesen Test seit Jahrtausenden, denn das Angebot wächst durch Bergbau nur langsam, es korrodiert nicht und lässt sich zu jeder beliebigen Größe einschmelzen. Fiatwährungen scheitern am Knappheitskriterium, weil Zentralbanken die Geldmenge ausweiten können. Deshalb verliert Bargeld stetig an Kaufkraft durch Inflation und funktioniert allein selten als langfristiger Wertspeicher.
Bitcoin wurde entwickelt, um die Knappheit von Gold in digitaler Form nachzubilden. Das Protokoll begrenzt die Gesamtausgabe auf 21 Millionen Coins, gibt neue Coins nach einem festen Zeitplan aus, der sich etwa alle vier Jahre halbiert, und kann ohne überwältigenden Netzwerkkonsens nicht verändert werden. Da Bitcoin rein digital ist, lässt es sich zudem leichter transportieren, in winzige Bruchteile teilen und sichern als ein Goldbarren, weshalb Befürworter es als "digitales Gold" bezeichnen.
- Traditionelle Wertspeicher: Gold, Silber, Grundbesitz, Kunst
- Digitale Wertspeicher: Bitcoin und, in geringerem Maße, andere große Assets mit fester oder vorhersehbar sinkender Ausgabemenge
Die ungeklärte Frage ist, ob das Kursverhalten von Bitcoin dieser Rolle tatsächlich entspricht. Die annualisierte Volatilität lag historisch mehrfach höher als bei Gold, und der Kurs bewegt sich oft im Gleichschritt mit Risikoanlagen wie Technologieaktien, statt in Marktstressphasen als sicherer Hafen zu dienen. Das unterscheidet Bitcoin deutlich von einem Stablecoin, der jegliches Aufwärtspotenzial opfert, um stattdessen einen festen Kurs zu halten. Ob ein Asset gleichzeitig als Wertspeicher und als Tauschmittel dienen kann, bleibt eine eigenständige, aktiv diskutierte Frage.