Der RSI gehört zu einer Gruppe von Chart-Tools, die Momentum-Oszillatoren genannt werden, und wird berechnet, indem die durchschnittliche Größe der jüngsten Aufwärtsbewegungen eines Coins mit der durchschnittlichen Größe seiner Abwärtsbewegungen über ein gewähltes Betrachtungsfenster verglichen wird, fast immer 14 Perioden auf einem gegebenen Zeitrahmen. Das Ergebnis wird als eine einzelne Linie dargestellt, die zwischen 0 und 100 schwankt, und gibt Tradern so einen schnellen visuellen Eindruck davon, ob zuletzt Kauf- oder Verkaufsdruck dominierte.
Der Indikator wurde von dem vom Maschinenbauingenieur zum Rohstoffhändler gewordenen J. Welles Wilder Jr. entwickelt, der ihn 1978 in seinem Buch New Concepts in Technical Trading Systems zusammen mit anderen Tools wie dem Average True Range und dem Parabolic SAR vorstellte. Er entstand Jahrzehnte vor Krypto, ist aber zu einem festen Bestandteil der technischen Analyse auf Börsen und Charting-Plattformen geworden, da er auf jedem liquiden, aktiv gehandelten Markt auf dieselbe Weise funktioniert.
Über die grundlegenden Schwellenwerte von 70/30 für überkauft und überverkauft hinaus achten Trader auf RSI-Divergenz: Wenn der Preis ein neues Hoch oder Tief markiert, das die RSI-Linie nicht bestätigt, kann dies auf nachlassendes Momentum kurz vor einer Trendumkehr hindeuten. Da Krypto-Assets volatil sind und während starker Trends über längere Zeit über 70 oder unter 30 verharren können, weiten viele Trader ihre Schwellenwerte auf 80/20 aus oder verlangen vor dem Handeln eine Bestätigung durch das Volumen oder einen zweiten Indikator wie MACD.
Der RSI ist ein nachlaufendes, auf historischen Daten basierendes Signal und keine Vorhersage. Er funktioniert daher am besten in Kombination mit Unterstützungs- und Widerstandsniveaus sowie weiteren bestätigenden Hinweisen statt isoliert eingesetzt zu werden.